logo sn

grafik claim sn

Demenz - Technische Hilfe

In erster Linie sind die auf diesen Seiten vorgestellten Lösungen für Menschen gedacht, die alleine in ihrer eigenen Wohnung leben, zusammen mit betreuenden Familienangehörigen oder Freunden, in ambulant betreuten Wohngemeinschaften oder in Wohnformen des "Betreuten Wohnens". Sicher sind viele der aufgezeigten Lösungen auch für den stationären Bereich denkbar, aber aufgrund der besonderen pflegerischen wie baulichen Möglichkeiten sind in diesem Umfeld weitere Gegebenheiten zu berücksichtigen. Der Einsatz von Technik darf nicht dazu führen, dass Menschen mit Demenz weniger persönliche Betreuung und Zuwendung erhalten. Technik kann Demenzkranken helfen, so lange wie möglich selbstbestimmt in ihrem eigenen Zuhause zu leben. Technik kann pflegende Angehörige/Freunde/professionelle Pflegerinnen und Pfleger von Menschen mit Demenz bei der Betreuung und Pflege entlasten.

Wir stellen Ihnen hier einige Lösungsideen für bestimmte problematische Bereiche vor. Eine Liste mit Angaben zu verschiedenen im Handel befindlichen Produkten und den zugehörigen Herstelleradressen können Sie bei Bedarf anfordern unter info@deutsche-alzheimer.de oder beim Alzheimer-Telefon unter 01803 - 17 10 17 (9 Cent/Min aus dem dt. Festnetz)

Wenn Sie weitere kreative Ideen haben oder auf ein neues Produkt stoßen, das in der Begleitung von Menschen mit Demenz nützlich sein kann, freuen wir uns über Ihre Anregungen!  Bitte senden Sie diese an: info@deutsche-alzheimer.de

Problembereich: Sicherung der Eingangstür

Zweck dieser Systeme ist es, einen Alarm auszulösen, wenn ein Mensch mit Demenz den sicheren Bereich der Wohnung, des Hauses oder des Gartens verlässt. Dazu werden entweder Infrarotsperren eingerichtet, bei deren Unterbrechung ein Alarm ausgelöst wird, oder der Kranke trägt einen Funksender der z.B. bei Verlassen eines bestimmten Bereichs ein Signal abgibt. Auch der Chip im Schuh, der einen Alarm beim Überschreiten der Fußmatte auslöst, ist eine mögliche Variante. In jedem Fall sollte der Alarm möglichst diskret sein, damit er die Kranken nicht erschreckt. Eine alternative einfache Lösung ist das Anbringen eines Glöckchens über der Tür oder eines Türgongs, wie er aus vielen Läden bekannt ist.

Problembereich: Getrennte Schlafräume

Um die Pflegenden zu informieren, wenn der/die Kranke das Bett verlässt, kann am Bett eine "Pflegebettenfernüberwachung" mit Infrarotschranke installiert werden, eine Sensormatte, die beim Betreten Alarm auslöst, vor das Bett gelegt werden oder eine Sensormatte, die auf Druckentlastung reagiert, im Bett (oder auch auf dem Lieblingssessel) platziert werden.

Problembereich: Wasserhähne

Vermeidung von Verbrühungen:
Mischbatterie mit Temperaturbegrenzer einbauen

Unterbrechung der Wasserzufuhr:

Möglich ist zum einen die Montage eines Wasserflussreglers am Wasserhahn (es wird ein Stab in den Wasserhahn eingesetzt, der nur Wasser frei gibt, solange dagegen gedrückt wird). Zum anderen kann eine Mischbatterie, die per Infrarotsender auf Bewegung reagiert, eingebaut werden. Beide Lösungen verändern des Gebrauch des Wasserhahns, deshalb muss beobachtet werden, ob die Kranken damit zurechtkommen.

Vermeidung von größeren Wasserschäden:

Vor der Badewanne kann ein Sensor angebracht werden, der einen Alarm auslöst, wenn er Nässe registriert. Bei einigen Hausnotrufgeräten ist eine Kopplung mit dem Sensor möglich, damit bei Alarm entsprechende Hilfe organisiert werden kann

Problembereich: Stürze und Verletzungen

Hausnotruf:
Hausnotrufgeräte bestehen aus einem Basisgerät und einem Funksender, der als Armband, Kette oder Clip getragen wird. Durch Drücken eines Knopfes am Sender wird ein Notruf ausgelöst. Der Notruf geht je nach Voreinstellung bei einer Notrufzentrale oder bei Angehörigen bzw. dem Pflegedienst ein. Viele Wohlfahrtsverbände bieten den Hausnotruf mit Notrufzentrale an. Das Hausnotrufgerät kann dort gemietet werden. Auch die Hinterlegung eines Schlüssels ist möglich, damit die Helfer im Notfall problemlos in die Wohnung gelangen können. Bei Vorliegen einer Pflegestufe übernimmt die Pflegekasse einen Teil der monatlichen Mietkosten. Wer keine Service-Zentrale benötigt, kann das Hausnotrufgerät auch kaufen und auf die entsprechenden Nummern von Angehörigen programmieren.

Sturzdetektor:
Bei einigen Hausnotrufsystemen wird der Anschluss eines Sturz- oder Falldetektors angeboten, der bei Stürzen selbstständig Alarm auslöst. Menschen mit Demenz wissen es häufig nicht mehr, wenn sie z.B. Hilfe beim Aufstehen aus dem Bett benötigen, und können sich beim selbstständigen Aufstehen verletzen. Hier kann eine einfache vor dem Bett platzierte Matratze helfen, einen Sturz abzufangen und Verletzungen zu vermeiden.

Hüftprotektoren:
Zur Vermeidung von Hüft- und Oberschenkelhals-Frakturen empfiehlt sich bei gangunsicheren oder zu Stürzen neigenden Menschen mit Demenz das Tragen von Slips mit eingearbeiteten Hüftprotektoren. Da die Hüftprotektoren nicht in das Hilfsmittelverzeichnis der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) aufgenommen sind, sind die Krankenkassen jedoch nicht zur Kostenübernahme verpflichtet.

Handläufe und Haltegriffe:
Diese bieten besseren Halt als Wände und Stuhllehnen und können so zur Vermeidung von Stürzen beitragen.

Stolperfallen:
Lose Teppiche oder Kabel erhöhen das Sturzrisiko und sollten entfernt bzw. fixiert werden (Kabel evtl. in Kabelschienen verlegen).
Schwellen und Stufen in der Wohnung bzw. an der Wohnungs- oder Balkontür entweder entfernen oder durch Rampen ausgleichen.

Problembereich: Telefon

Es gibt Telefone mit großen Tasten, in die wichtige Rufnummern als Kurzwahlen eingespeichert werden können. Bei einigen Modellen können die Tasten mit Bildern versehen werden. Bei vielen Telefonen lässt sich ein so genannter "Baby-Ruf" einstellen. Damit wird durch Druck auf beliebige Tasten immer nur eine bestimmte Nummer angewählt.

Drei- oder Ein-Tasten-Handys:
So genannte Seniorenhandys verfügen über besonders große Tasten und in der Regel über die zum Telefonieren wichtigen Funktionen ohne viel zusätzlichen "Schnickschnack". Um das Telefonieren per Handy weiter zu vereinfachen, gibt es auch Geräte, die nur über drei oder gar nur eine Taste verfügen. Auf diese Tasten können feste Nummern programmiert werden, unter denen die Anruferin/der Anrufer insbesondere im Notfall immer jemanden erreichen kann. Die Rufannahme ist in der Regel über alle Tasten möglich.

Problembereich: Herd und Brand

Herdsicherungen:
Diese gibt es vor allem für Elektroherde. Sie schalten den Herd entweder nach einer voreingestellten Zeit oder/und bei Überhitzung der Kochfelder automatisch ab. Manche Geräte können mit einem Hausnotrufgerät gekoppelt werden. Moderne Herde verfügen häufig schon über eingebaute Herdsicherungssysteme. Falls eine Neuanschaffung geplant ist, sollte ein solches Gerät bevorzugt werden, da eine Nachrüstung in der Regel teurer kommt. Für Gasherde ist uns bisher kein geeignetes Sicherungssystem bekannt. Im Zweifelsfall sollte ein Gasherd daher abgeklemmt bzw. durch einen Elektroherd ersetzt werden.

Herdschutzgitter:
Sie vermeiden das Abrutschen von Töpfen und Pfannen

Problembereich: Feuer

Rauchmelder:
Um Feuer frühzeitig zu bemerken, sollte ein Rauchmelder installiert werden. Allerdings können Menschen mit Demenz in der Regel nicht adäquat auf den Alarm reagieren. Es muss also sichergestellt sein, dass jemand im Haus über einen Schlüssel für die Wohnung verfügt und bei einem Alarm reagieren kann. Es gibt auch die Möglichkeit, Rauchmelder mit einem Hausnotrufsystem zu kombinieren, so dass der Alarm direkt an eine Notrufzentrale weitergeleitet wird.

Schwer entflammbare Textilien:
Bei rauchenden Menschen mit Demenz sollte auf die Verwendung besonders schwer brennbarer Bettwäsche und sonstiger Textilien geachtet werden.

Problembereich: Menschen mit Demenz gehen weg und finden nicht mehr zurück

Personenortungssysteme:
Systeme zur Personenortung bedienen sich in der Regel der Möglichkeit einer satellitengestützten Positionsbestimmung ähnlich wie Navigationsgeräte. Sie sind geeignet um Menschen mit Demenz, die alleine unterwegs sind und den Weg nach Hause nicht mehr wissen, in möglichst kurzer Zeit zu finden. Notwendig ist es in jeden Fall, dass der/die Kranke einen Sender bei sich trägt. Dieser kann die Form eines Handys haben, als Armband, ähnlich wie eine Uhr, oder am Gürtel getragen werden. Teilweise ist ein Notrufknopf integriert, über den der/die Betreffende selbst Hilfe rufen kann, soweit er/sie dazu in der Lage ist. Auch Geräte mit Freisprecheinrichtung gibt es, über die die Helfer direkt in Kontakt mit den Vermissten treten können. Die Ortung kann über eine Notrufzentrale erfolgen, es gibt aber auch Varianten, bei denen die Überwachung und Ortung des Senders durch Angehörige über den privaten PC erfolgt. Außerdem wird häufig die Möglichkeit angeboten, bestimmte "Sicherheitsgebiete" festzulegen, bei deren Verlassen ein Alarm ausgelöst wird. Bei der Auswahl eines Personenortungssystems ist besonders die Genauigkeit der Standortbestimmung zu beachten, die erreicht werden kann. Sie reicht von mehreren hundert Metern Radius bis hin zu zehn oder sogar einem Meter genau (laut Herstellerangaben).

Problembereich: Datum und Uhrzeit

Sprechende Uhren:
Auf Knopfdruck erfolgt die Ansage der Uhrzeit, teilweise auch von Datum und Wochentag.
Wichtig ist es darauf zu achten, dass auf der Uhr deutlich zwischen Tag und Nacht unterschieden wird, um den Tag-/Nacht-Rhythmus zu unterstützen.

Große Kalender
Die zeitliche Orientierung kann unterstützt werden, wenn der jeweilige Tag deutlich markiert werden kann und wichtige Termine eingetragen werden.

Digitale Kalender (mit großen Ziffern):
Sie verhindern das selbstständige Verändern des eingestellten Datums. Allerdings können dort keine Termine notiert werden. Nicht immer werden solche Geräte als Kalender erkannt.

Verschiedenes

Schlösser:
Insbesondere in die Eingangstür sollte ein Universalschloss eingebaut werden, damit die Tür auch dann von außen geöffnet werden kann, wenn der Schlüssel innen steckt. Auch an der Badezimmertür sollte, wenn diese verschließbar sein soll, ein von außen zu öffnendes Schloss eingebaut werden.

Badezimmer:
Häufig stellt das Benutzen der Badewanne im Laufe der Zeit ein Problem dar und auch der Einstieg in das Duschbecken kann schwierig werden. Sinnvoll ist es deshalb frühzeitig zu überlegen, ob die Möglichkeit zum Einbau einer ebenerdigen Dusche besteht, wenn der oder die Kranke sich duschen lässt. Es gibt auch Badewannen und Sitzbadewannen mit Tür zum leichteren Einstieg.

Kaffeemaschine:
Kaffeemaschine mit Zeitschaltuhr versehen, Maschine mit Thermoskanne verwenden.

Bügeleisen:
Es gibt Modelle, die sich automatisch abschalten, wenn sie nicht bewegt werden.

Nachtlichter:
Nachtlichter können in der Toilette oder auch in anderen Zimmern, die in der Nacht oft aufgesucht werden, angebracht werden. Eventuell mit Bewegungsmelder versehene Nachtlichter verwenden oder mit Leuchtdioden versehene Lichtschläuche entlang der wichtigsten Wege legen.

Tabletten:
Medikamente können in spezielle Tablettenspender vorsortiert werden, die zu voreingestellten Zeiten an die Tabletteneinnahme erinnern.

Nicht benutzte Steckdosen:
Diese sollten abgedeckt oder mit einer "Kindersicherung" versehen werden.

Fenster:
In den oberen Stockwerken können Fenster mit Sicherungen versehen werden, damit sie nur noch ein kleines Stück geöffnet werden können.

Türen:
Bei Weglauftendenz: Verdeckt man Türen mit Hilfe von schweren Vorhängen, kann ihnen der Aufforderungscharakter genommen werden. Indem man Türen in den gleichen Farben streicht oder tapeziert wie die Wände, werden sie in die Umgebung eingebunden.

Spiegel:
Wenn der/die Kranke Angst vor dem eigenen Spiegelbild entwickelt, sollten Spiegel und größere spiegelnde Flächen verhängt oder entfernt werden.

Reinigungsmittel und sicherheitskritische Geräte wegschließen.

Giftige Pflanzen aus Haus und Garten entfernen.