logo sn

grafik claim sn

Hilfe für Angehörige (Selbsthilfe)

Alltagstipps

Wenn auch bis heute kein Mittel verfügbar ist, um eine Alzheimer-Demenz zu heilen, bedeutet das nicht, dass die Erkrankung schicksalhaft zu ertragen ist. Auch Angehörige können ihren Beitrag dazu leisten, damit Alzheimer-Patienten imstande sind, ihren Alltag besser zu bewältigen. Zwei Drittel der Demenz-Kranken leben zu Hause und werden durch Angehörige gepflegt. Mit der richtigen Betreuung und Pflege gelingt es, den Geist anfangs rege zu halten und den Abbau zu verlangsamen. Grundsätzlich sollten alle Maßnahmen unterlassen werden, die bei der Reaktion ein intaktes Erinnerungs- oder Lernvermögen voraussetzen.

Folgende Tipps sollten Sie daher im Umgang mit Alzheimerkranken beherzigen:

Geduldig sein

  • Seien Sie geduldig und unterbrechen Sie den Betroffenen nicht, wenn er mal ins Stocken kommt.
  • Bewahren Sie beim Umgang mit den Betroffenen Ruhe und lassen Sie ihnen Zeit.
  • Seien Sie im Gespräch geduldig, lassen Sie viel Zeit beim Antworten und unterbrechen Sie nicht sofort, wenn die Sprache stockt.
  • Wenn der Betroffene Sie nicht versteht, dann wiederholen Sie das Gesagte in einfachen Worten.

Tagesablauf strukturieren
Sorgen Sie für eine gleich bleibende Umgebung und einen strukturierten Tagesablauf für den Patienten. Dadurch verringern sich Probleme, die durch die Gedächtnisstörungen auftreten. Regen Sie den Betroffenen zu Aktivitäten an. Gegen depressive Stimmung hilft z.B. Tanzen. Viele Alzheimer-Kranke reagieren auf das Schwinden ihrer geistigen Fähigkeiten mit Traurigkeit. Angehörige sollten den Betroffenen zeigen, dass sie mit ihrer Krankheit nicht alleine sind und sie zu Aktivitäten anregen, wie zum Beispiel persönliche Erinnerungsfotos anschauen, Hausarbeit, Musik hören oder Gymnastik machen. Wenn die depressive Stimmung länger andauert, sollte ein Arzt aufgesucht werden.

Suchen Sie bei Appetitlosigkeit den Arzt auf

Hellhörig werden sollten Familienmitglieder auch, wenn sich beim Betroffenen Appetitlosigkeit bemerkbar macht. Ist mangelnder Appetit die Begleiterscheinung eines Medikaments, kann der Hausarzt möglicherweise Abhilfe schaffen, indem er ein wirkungsgleiches Medikament ohne diese Nebenwirkung verschreibt. Die/Der Patientin/ Patient ist manchmal nicht in der Lage diesen Zusammenhang zu erkennen und zu benennen. Darüber hinaus helfen ein paar praktische Maßnahmen, den Appetit anzuregen, etwa ein täglicher Spaziergang, ein ansprechend und übersichtlich gedeckter Tisch sowie appetitlich angerichtete, gut erkennbare Speisen

Ernährungstipps

Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst und Gemüse kann das Risiko, an Alzheimer zu erkranken, deutlich vermindern. Gegen die Alzheimer-Krankheit vorzubeugen ist eines der großen Ziele der Forschung. Nach Angaben der Deutschen Alzheimer Gesellschaft können bestimmte Faktoren das Risiko einer Erkrankung vermindern. Dazu gehört eine fett- und cholesterinarme, ausgewogene Ernährung mit viel Obst und Gemüse, reich an Vitamin C, E und Beta-Karotin. Körperliche Bewegung, geistige Aktivitäten wie Gedächtnistraining, Lesen und Schreiben und die Pflege sozialer Kontakte mindern ebenfalls die Risiken.

Um Vollmacht kümmern
Kontrollieren Sie bereits zu Beginn der Erkrankung den Umgang der Betroffenen mit finanziellen Angelegenheiten und Verträgen. Denken Sie daran Vorsorge zu treffen, z. B. Patientenverfügung, Betreuungsvollmachten, etc.

Informationen zu Entlastungsangeboten

Nach wir vor leben die meisten Demenzkranken in privaten Haushalten und werden zumeist von nahen Angehörigen (vor allem von ihren Ehepartnern, Töchtern oder Schwiegertöchtern) betreut und gepflegt. Dies verlangt von den Angehörigen viel Engagement, Verzicht auf Freizeit und die Bereitschaft, gegebenenfalls "rund-um-die-Uhr" zu begleiten und zu unterstützen. Pflegende Angehörige stehen daher häufig unter hohem psychischen, physischen und sozialen Druck. Viele Angehörige berichten, dass sich während der Pflege ihre körperliche Gesundheit verschlechtert und sie häufiger Medikamente benötigen, das Freunde, Bekannte und/oder Familienmitglieder den Kontakt meiden, dass sie ihren Beruf und ihre Hobbies aufgeben. Als besonders belastend wird es empfunden, wenn problematische Verhaltensweisen wie Aggressivität, Schreien oder Wahnvorstellungen bei dem Erkrankten hinzukommen. Niemand kann und muss diese schweren Aufgaben auf Dauer und ganz alleine erfüllen. Auch im Interesse des Kranken ist es wichtig und ratsam, mit den eigenen Kräften hauszuhalten und sich frühzeitig nach Möglichkeiten der Beratung und Entlastung umzusehen.

a) Betreuungsgruppen und Entlastung für Zuhause
Alzheimer-Gesellschaften in den verschiedenen Regionen sowie unterschiedliche Wohlfahrtsverbände bieten Betreuungsgruppen zur Entlastung pflegender Angehöriger als niedrigschwelliges ambulantes Angebot an. Für einige Stunden am Tag werden die Betroffenen an 1 bis 2 Tagen pro Woche in Gruppen beschäftigt und betreut. Aktivierungsangebote, die auf die Bedürfnisse der Kranken ausgerichtet sind, sowie die Betreuung durch geschulte Helferinnen und Helfer sind Bestandteile des Programms. Die Betreuung wird durch ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter geleistet und durch eine Fachkraft begleitet. Die pflegenden Angehörigen sollen durch die Betreuungsgruppen Entlastung erfahren, sodass sie einen zeitlichen Freiraum zur eigenen Verfügung haben.

Adressen finden Sie hier in unserem Portral unter Hilfe vor Ort

b) Angehörigen- und Selbsthilfegruppen
Angehörigen- bzw. Selbsthilfegruppen bieten die Möglichkeit, mit anderen Menschen, die sich in einer ähnlichen Pflegesituation befinden wie man selber, ins Gespräch zu kommen. Viele Angehörige nutzen das Angebot, um über ihre Sorgen, Ängste und Verzweiflung zu sprechen, aber auch um sich gegenseitig Unterstützung, Anregungen und Tipps zu geben und die Energiespeicher wieder aufzufüllen. Häufig werden die Gruppen von einer Fachkraft geleitet und begleitet. Es können je nach Bedarf Gruppensitzungen mit Schwerpunktthemen wie z.B. Pflegeversicherung, Betreuungsrecht, Vorsorgevollmachten usw. stattfinden.

c) Ehrenamtliche Helferinnen
Helferinnenkreise gibt es seit mehr als 15 Jahren. Ehrenamtliche Helferinnen und Helfer betreuen vor allem Demenzkranke, die mit ihren Angehörigen oder alleine zu Hause leben, einige Stunden in der Woche. Dadurch entstehen für den Angehörigen ebenfalls Freiräume. Die freiwilligen Helferinnen und Helfer übernehmen dabei stundenweise die soziale Betreuung der Kranken, nicht aber pflegerische oder hauswirtschaftliche Aufgaben.
Helferinnenkreise bieten ein leicht zugängliches, qualitätsgesichertes und kostengünstiges Angebot zur stundenweisen Betreuung der Kranken und zur gleichzeitigen Entlastung der Angehörigen. Die Helferinnen und Helfer werden regelmäßig geschult und fachlich begleitet.

d) Ambulante Pflegedienste
Die sozial- und gesundheitspflegerischen Dienste der ambulanten Pflegestationen leisten einen oft unverzichtbaren Beitrag dazu, dass die Erkrankten weiterhin zu Hause leben können. Die "Hauspflege" umfasst Hilfen im Haushalt sowie die Grundpflege (Körperpflege, Hilfe beim Essen). Kostenträger hierfür ist in erster Linie die Pflegekasse, je nach Umfang des Pflegebedarfs ist eine Zuzahlung notwendig. Die "häusliche Krankenpflege" (Behandlungspflege) wird von examinierten Pflegefachkräften durchgeführt. Grundlage hierfür ist eine ärztliche Verordnung; die Kosten trägt die Krankenkasse (ggf. ist eine Zuzahlung erforderlich). Die häusliche Krankenpflege umfasst Tätigkeiten wie das Verabreichen von Medikamenten und Injektionen oder die Versorgung von Wunden. Alle Pflegedienste betreuen auch demenzkranke Patientinnen und Patienten. Einige beschäftigen deshalb Fachkräfte mit gerontopsychiatrischen Zusatzqualifikationen oder setzen Hauspflegekräfte ein, die eine gerontopsychiatrische Fortbildung absolviert haben.
Einen sehr hilfreichen "Pflegeplaner" mit dem sich auch die Kosten der ambulanten Pflege berechnen lassen, finden Sie unter http://pflegeplaner.weisse-liste.de
Ein Verzeichnis der ambulanten Pflegedienste mit umfangreichen Auswahlkriterien bietet ebenfalls die Weisse Liste unter http://pflegedienst.weisse-liste.de/

e) Tagespflegeeinrichtunge

Tagespflegeeinrichtungen zählen zu den teilstationären Pflege- und Betreuungsangeboten. Die Tagespflege dient der Aktivierung und Rehabilitation durch therapeutische und pflegerische Angebote sowie durch soziale Einbindung und einen strukturierten Tagesablauf. Der Besuch einer Tagesstätte wirkt sich meist positiv auf das Wohlbefinden der Kranken aus und entlastet gleichzeitig die pflegenden Angehörigen. Konzeptionell arbeiten die meisten Einrichtungen nach milieutherapeutischen Bedingungen. In der Regel verfügen die Einrichtungen über einen Fahrdienst, so dass der Hin- und Rücktransport der Gäste problemlos von statten gehen kann. Die Anzahl der Tage, an denen der Pflegebedürftige die Tagespflege besucht, bestimmen er und seine Familie. Empfehlenswert sind mindestens zwei Tage wöchentlich, ansonsten können sich die Gäste kaum eingewöhnen. Vor der Aufnahme wird in der Regel ein "Schnuppertag" vereinbart. Die Tagespflegen berechnen Tagessätze, die zwischen 45,00 und 90,00 € liegen können. Die Kosten für den Aufenthalt können durch Leistungen der Pflegeversicherung, des Sozialamtes oder durch Eigenbeteiligung getragen werden.
Adressen hierzu finden Sie in unserem Portal unter Betreuungsgruppen außerhäuslich

f) Kurzzeit- und Urlaubs- bzw. Verhinderungspflege
Die Kurzzeitpflege, als Leistung der Pflegeversicherung, findet in der Regel in einer stationären Pflegeeinrichtung statt, die mit den Pflegekassen einen Versorgungsvertrag abgeschlossen hat. Für maximal 28 Tage im Jahr kann der erkrankte Angehörige dort in Obhut gegeben werden, so dass die Pflegeperson in diesem Zeitraum z.B. einen Erholungsurlaub in Anspruch nehmen kann. Kurzzeitpflegeeinrichtungen übernehmen während der Aufnahme die komplette Versorgung der erkrankten Person. Viele Einrichtungen haben sich auf die Versorgung demenziell erkrankter Menschen eingestellt und bieten ein entsprechendes Versorgungs- und Beschäftigungsangebot. Die Pflegekasse gewährt dafür auf Antrag einen Geldbetrag in Höhe von 1550,00 €. Die Urlaubs- bzw. Verhinderungspflege ist ebenfalls eine Leistung, die über die Pflegekasse beansprucht werden kann. Ebenfalls für maximal 28 Tage pro Jahr ist es möglich, die erkrankte Person z.B. durch einen Pflegedienst oder eine nahe stehende Person zu Hause versorgen zu lassen, wenn die Hauptpflegeperson (z.B. durch Krankheit oder Erholungsurlaub) verhindert ist. Die Pflegekasse übernimmt für die Versorgung durch einen Pflegedienst bis zu 1550,00 €, für die Versorgung durch Angehörige in der Regel nur das Pflegegeld zzgl. eventueller Aufwendungen wie Fahrgeld oder Verdienstausfall (max. 1550,00 €). - Die Verhinderungspflege kann auch in einer Kurzzeitpflege-Einrichtung durchgeführt werden. Beide Leistungen können einmal im Jahr unabhängig von einander beansprucht werden.

g) Betreuter Urlaub für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen
Urlaubsangebote, die speziell auf die Bedürfnisse von Demenzkranken und ihren Angehörigen zugeschnitten sind, werden in den letzten Jahren zunehmend geschaffen. Der größte Teil dieser Angebote wird durch regionale und örtliche Alzheimer Gesellschaften organisiert, es gibt aber auch andere Anbieter.
Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft sammelt diese Urlaubsangebote und stellt eine entsprechende Liste bei Bedarf gerne zur Verfügung. Ihre Anfrage können Sie per E-Mail richten an: info@deutsche-alzheimer.de
Weitere Informationen zum Betreuten Urlaub enthält auch das Infoblatt Urlaubsreisen für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen:
https://www.deutsche-alzheimer.de/fileadmin/alz/pdf/factsheets/infoblatt17_betreuter_urlaub_dalzg.pdf

Adressen in Ihrer Nähe finden Sie in unserem Portal unter: Hilfe vor Ort Beratungsstellen

Umgang/Beschäftigung

Angehörige tragen den Hauptanteil an der Versorgung von Demenzkranken. Sie übernehmen damit eine sehr schwere und verantwortungsvolle Aufgabe, die sich meist über Jahre hinzieht. Dennoch ist es weiterhin möglich, gemeinsam Freude zu erleben und aus der Zeit der Krankheit wertvolle und erfüllte gemeinsame Jahre zu machen. Die Probleme, die im Zusammenleben mit einem Demenzkranken auftreten, sind von Fall zu Fall verschieden. Sie werden bestimmt von der Persönlichkeit des Betroffenen, vom Stadium der Krankheit, von den äußeren Lebensumständen, aber auch von den besonderen Fähigkeiten und Schwächen der betreuenden Person(en). Ebenso individuell müssen die Lösungen für die Probleme sein. Wissen über die Krankheit verleiht Sicherheit im Zusammenleben und im Umgang mit dem Kranken. Es kann vor Enttäuschungen aber auch vor unnötiger Resignation bewahren. Angehörige sollten sich deshalb so gründlich wie möglich über die Krankheit informieren.

Die persönliche Würde wahren
Die Kranken muss man so annehmen, wie sie sind. Sie können sich nicht ändern. Die Angehörigen sollten lernen, die Bedürfnisse und Wünsche der Patientinnen und Patienten, aber auch deren ganz eigene Sicht der Realität wahrzunehmen und zu berücksichtigen. Andererseits müssen sie sich darin üben, Kritik und unnötige Zurechtweisungen zu vermeiden.

Eigenständigkeit aufrechterhalten
Eigenständigkeit ist eine Wurzel von Selbstachtung, Sicherheit und Lebenszufriedenheit bei Gesunden wie bei Kranken. Deshalb sollte man dem Kranken nicht alle Aufgaben abnehmen, nur weil sie ihm schwerer fallen als früher oder sie weniger gut ausgeführt werden. Durch Vereinfachung der Kleidung, durch die Aufteilung von Handlungen in einzelne Schritte und durch geeignete Hilfestellungen kann oft ein hohes Maß an Selbständigkeit erhalten bleiben. Menschen in einem frühen Stadium der Demenz benötigen nur zu bestimmten Zeiten oder bei bestimmten Verrichtungen Unterstützung von anderen. Um bei Bedarf entsprechende Hilfe bekommen zu können, haben Teilnehmende einer Gruppe von Früherkrankten Verständniskärtchen erarbeitet: "Ich habe Demenz. Bitte haben Sie etwas Geduld". Das Verständniskärtchen können Sie ausdrucken, ausschneiden und zusammenkleben.

Orientierungshilfen geben
Ein gleichbleibender, überschaubarer Tagesablauf, helles Licht und die Beleuchtung wichtiger Wege in der Nacht erleichtern es dem Kranken, sich zurecht zu finden. Auch Hinweisschilder in der Wohnung können hilfreich sein.
Eine gut lesbare Uhr und ein Kalender, auf dem das jeweilige Datum markiert wird, erleichtern die zeitliche Orientierung. Es ist auch empfehlenswert, die Gewohnheiten des Kranken nach Möglichkeit beizubehalten. Bestimmte Sinneseindrücke können von/vom Patientin /Patienten verkannt werden und zu Verwirrung führen (z.B. laufender Fernseher, Musik und Stimmen aus dem Radio oder das eigene Spiegelbild). Sie sollten dann vermieden werden. Wenn Besuch kommt oder Ihnen unterwegs ein Bekannter begegnet, weisen Sie vorher darauf hin: "Ach, da kommt ja Frau Soundso", "... dein Bruder Karl" usw. So gerät Ihr Angehöriger nicht in Verlegenheit, sondern weiß den Namen und kann den Betreffenden einordnen und ansprechen.

Kommunizieren

  • Stellen Sie sicher, dass der Andere sich angesprochen fühlt (Blickkontakt)
  • Gewöhnen Sie sich an eine kurze klare Redeweise.
  • Stellen Sie einfache Fragen, möglichst solche, die mit ja oder nein zu beantworten sind.
  • Stellen Sie immer nur zwei Angebote zur Auswahl. ("Möchtest du Apfelkuchen oder Schokotorte?", statt einer großen Auswahl)
  • Ergänzen Sie Ihre Worte durch Gesten und/oder Berührung.
  • Vermeiden Sie Zurechtweisungen und Kritik. (Diskussionen sind nutzlos und verderben nur die Stimmung)
  • Wahren Sie die Würde der/des Patientin/Patienten und erkennen Sie seine Wünsche und Bedürfnisse sowie seine subjektive Weltsicht an.

Vermeiden Sie Konfrontationen. Wenn Sie kritische Situationen voraussehen, versuchen Sie sie zu verhindern. Lenken Sie den Demenzkranken ggf. ab.

Mit schwierigen Verhaltensweisen umgehen
Viele problematische Verhaltensweisen von Menschen mit Demenz sind Reaktionen, die man aus der Krankheit heraus verstehen und nachvollziehen kann: Rat- und Orientierungslosigkeit können zu Ängstlichkeit, Anhänglichkeit und zum ständigen Wiederholen von Fragen führen. Aggressivität und Wutausbrüche können aus Frustration oder Überforderung entstehen, Depression und Rückzug aus einem Mangel an Aktivität und Ermunterung. Wichtig ist es, solche Faktoren zu erkennen und möglichst zu beseitigen. Um mit problematischen Verhaltensweisen umzugehen, ist es hilfreich, ruhig zu bleiben und auf den Gefühlszustand des Kranken einzugehen.

Aggressivität

  • Angst, Wut, Unruhe, Enttäuschung und Nervosität können zu aggressivem Verhalten führen.
  • Bemühen Sie sich herauszufinden, was der Auslöser für das aggressive Verhalten war, um solche Situationen in Zukunft möglichst zu vermeiden.
  • Versuchen Sie gelassen zu bleiben und die Vorwürfe oder das Verhalten des Kranken nicht auf sich zu beziehen. Dieses Verhalten wird durch die Krankheit ausgelöst.
  • Versuchen Sie in der akuten Situation den Kranken abzulenken, wechseln Sie das Thema. Wenn Sie sich durch das Verhalten bedroht fühlen, sollten Sie aber auch an Ihre eigene Sicherheit denken. Verlassen Sie den Raum und holen Sie sich im Notfall Hilfe.

Unruhe
Menschen mit Demenz sind oft unruhig und laufen immer wieder die gleiche Strecke auf und ab. Daran sollte man sie nicht hindern. Sie können aber versuchen herauszufinden, was dieses Verhalten verursacht: Vielleicht tut dem Kranken etwas weh oder ihn beschäftigt gerade etwas. Menschen mit Demenz leben in einer anderen Welt. So kann es sein, dass eine 85jährige das Gefühl hat, schnell nach Hause zu müssen, weil die Mutter mit dem Essen wartet. Die Antwort, dass die Mutter doch schon lange tot ist und dass Sie auch gerade gegessen haben, hilft in einer solchen Situation nicht weiter. Günstiger ist es, dann ein Gespräch darüber anzufangen ("Was macht deine Mutter denn, wenn du zu spät kommst?" oder "Deine Mutter kocht wohl sehr gut?"). Unruhe kann auch Ausdruck von Ängstlichkeit oder Unbehagen sein, denen Sie mit folgenden Maßnahmen begegnen können:

  • Gestalten Sie die Umgebung ruhig.
  • Bleiben Sie ruhig und sprechen Sie sanft.
  • Beruhigen Sie die/den Kranke/Kranken, halten Sie Körperkontakt und reagieren Sie auf die Gefühle, die er ausdrückt.
  • Schaffen Sie eine entspannte Atmosphäre.
  • Gut beleuchtete Ecken verhindern Angst erzeugende Schatten.
  • Schaffen Sie Zeiten der Ruhe und Entspannung.
  • Menschen mit Demenz mögen meistens Körperkontakt. Eine Massage der Hände mit einem wohlriechenden Lieblingsduftöl beruhigt

Weitere Informationen und Tipps finden Sie in den "Empfehlungen zum Umgang mit Unruhe und Gefährdung bei Demenz" sowie in der Broschüre "Leben mit Demenzkranken", die Sie für 4 € im Online-Shop der Deutschen Alzheimer Gesellschaft bestellen können. Eine Übersicht der Broschüren und Informationen finden Sie hier im Onlineshop.
In der Mitgliederzeitung "Alzheimer Info" erscheinen ebenfalls regelmäßig Vorschläge und Tipps zum Umgang mit Menschen mit Demenz. Eine Auswahl von Ausgaben der Mitgliederzeitung finden Sie hier.

Beschäftigung
Finden Sie die Stärken und Vorlieben des/der Kranken heraus. Suchen Sie zum Beispiel nach Spielen, Liedern, und Beschäftigungen, die ihr/ihm aus der Vergangenheit bekannt sind, aber berücksichtigen Sie auch die berufliche Biografie. Üben sie die Lieblingsbeschäftigungen ruhig öfter. Neues Lernen ist für Menschen mit Demenz kaum noch möglich, Bekanntes kann jedoch geübt und erhalten werden. Im Haushalt bieten sich dafür viele Möglichkeiten. Ein Mensch mit Demenz fühlt sich zugehörig und nützlich, wenn er den Tisch mit deckt oder Kartoffeln schält. Gemeinsames Singen und Spielen, Musizieren und Tanzen oder andere Bewegungsübungen können Spaß machen. Körperliche Bewegung regt den Kreislauf an, hebt die Stimmung und verbessert die Mobilität; auch Spaziergänge tun gut. Sie können gemeinsam alte Fotos ansehen, nachdem Sie möglichst sichergestellt haben, dass sie aus guten Zeiten stammen. Kommentieren Sie aktuellere Fotos. Damit verhindern Sie bei Ihrem Angehörigen das ungute Gefühl etwas nicht mehr zu wissen. Schreiben Sie Namen, Daten und vielleicht den Anlass zu den Fotos. So kann ein aktualisiertes Fotoalbum der/dem Kranken helfen sich zu orientieren und auch immer wieder Grundlage für Gespräche sein.
Weitere Tipps enthält die Broschüre "Miteinander aktiv", die Sie für 4 € im Online-Shop der Deutschen Alzheimer Gesellschaft bestellen können.

Rechtliche und finanzielle Hilfen

Nach der Diagnose einer Demenzerkrankung stellen sich viele Fragen zur Zukunft der/des Betroffenen:
Wie kann die Betreuung und Pflege bei fortschreitender Krankheit sichergestellt werden? Welche finanziellen Hilfen gibt es? Welche rechtlichen Schritte müssen in die Wege geleitet werden?
Soweit wie möglich sollte die/der Betroffene selbst ihre/seine Wünsche äußern und Entscheidungen treffen über die Verwaltung ihres/seines Vermögens, über die zukünftige Pflege, Erbschaften und gewünschte oder nicht gewünschte ärztliche Maßnahmen.

Solche Verfügungen können in einer Vorsorgevollmacht und einer Patientenverfügung festgelegt werden - allerdings nur so lange, wie die Geschäftsfähigkeit der/des Patientin/Patienten noch gegeben ist.
Mehr zum Thema Vorsorgevollmacht, Betreuungsverfügung, Patientenverfügung: https://www.deutsche-alzheimer.de/fileadmin/alz/pdf/factsheets/FactSheet10_01.pdf

Informationen hierzu erhalten Sie ebenfalls bei uns vor Ort in der Sozialen Servicestelle

Wenn eine/ein Patientin/Patient wichtige Entscheidungen nicht mehr selbst treffen kann und keine anderen Personen bevollmächtigt hat, kann über das Amtsgericht (Vormundschaftsgericht) eine Betreuung für ihn angeregt werden. Mehr zum Thema Betreuungsrecht https://www.deutsche-alzheimer.de/fileadmin/alz/pdf/factsheets/FactSheet09_01.pdf

Versicherungen
Sinnvoll ist es, für einen Menschen mit Demenz eine Haftpflichtversicherung abzuschließen. Wenn eine solche Versicherung bereits besteht, sollte die Versicherungsgesellschaft über die Erkrankung informiert werden. Viele Versicherer geben allerdings an, dass eine solche Information nicht nötig sei. Verschiedene Versicherungen bieten die Mitversicherung von "nicht deliktfähigen" erwachsenen Personen an. Erkundigen Sie sich bei Ihrer Versicherung danach. Menschen mit Demenz, die dauerhaft auf Hilfe und Betreuung auch im Bereich der Körperpflege, Ernährung und Mobilität angewiesen sind, haben Anspruch auf Leistungen der Pflegeversicherung. Die Höhe der Leistungen hängt vom Grad der Pflegebedürftigkeit ab.
Mehr zum ThemaPflegeversicherung https://www.deutsche-alzheimer.de/fileadmin/alz/pdf/factsheets/infoblatt8_pflegeversicherung.pdf
Hier finden Sie auch eine Vorlage für ein Pflegetagebuch https://www.deutsche-alzheimer.de/fileadmin/alz/pdf/Pflegetagebuch-06-DALZG_01.pdf

Sozialhilfe
Wenn die Leistungen der Pflegekasse nicht ausreichen, um den tatsächlichen Hilfebedarf abzudecken, besteht Anspruch auf "Hilfe zur Pflege" durch das Sozialamt. Das eigene Einkommen und eventuell vorhandenes Vermögen muss allerdings zunächst eingesetzt werden. Kinder und Ehepartner sind bei ausreichend hohem Einkommen zum Unterhalt verpflichtet. Die Sozialhilfe wird beim Sozialamt oder in der Gemeinde Feldkirchen-Westerham Renten-, Sozial- und Unfallwesen, Soziale Gemeinde etc. unter der Telefon 08063/9703-37 beantragt.

Schwerbehindertenausweis
Ein Schwerbehindertenausweis bringt steuerliche und nicht-steuerliche Vorteile wie Ermäßigung der Kfz-Steuer, ggf. Anspruch auf einen Behindertenparkplatz, Freifahrten mit öffentlichen Verkehrsmitteln, Befreiung von der Rundfunkgebühr sowie Zuschüsse zur Wohnraumanpassung. Der Antrag kann beim Versorgungsamt gestellt werden.

Weitere Informationen finden Sie hier:
Schriftreihe "Ratgeber in rechtlichen und finanziellen Fragen" (6,00 €) von der Deutschen Alzheimer Gesellschaft e.V. https://shop.deutsche-alzheimer.de/sites/default/files/broschueren/pdf/inhalt_recht_finanzen.pdf
Mitgliederzeitung "Alzheimer Info" erscheinen ebenfalls regelmäßig Artikel zu rechtlichen Fragestellungen. Eine Auswahl daraus finden Sie im Archiv des Alzheimer Info. https://www.deutsche-alzheimer.de/unser-service/archiv-alzheimer-info.html

Weiterführende Links:
Empfehlungen zum Umgang mit Ernährungsstörungen bei Demenz
https://www.deutsche-alzheimer.de/fileadmin/alz/pdf/empfehlungen/Empfehlungen_Ernaehrungsstoerungen-20130319.pdf

Unruhe + Gefährdung
http://www.deutsche-alzheimer.de/fileadmin/alz/pdf/empfehlungen/empfehlungen-zum-umgang-mit-unruhe.pdf

Patientenverfügung
http://www.deutsche-alzheimer.de/fileadmin/alz/pdf/empfehlungen/empfehlungen-Patientenverfuegung-20120213.pdf

Medizinische Behandlung
http://www.deutsche-alzheimer.de/fileadmin/alz/pdf/empfehlungen/empfehlungen-UmgangMedBehandlung.pdf

Schuldgefühlen
http://www.deutsche-alzheimer.de/fileadmin/alz/pdf/empfehlungen/empfehlungen-UmgangSchuld.pdf

Begleitung in der Sterbephase
http://www.deutsche-alzheimer.de/fileadmin/alz/pdf/empfehlungen/empfehlungen_sterbephase.pdf